Ein Garten ist nicht die Kopie eines Bildes aus einer Zeitschrift, sondern ein komplexer, natürlicher Organismus. Wer versucht, hier die Oberhand zu behalten, wird ziemlich gefordert. Um nicht überfordert und frustriert zu werden, sollten wir GärtnerInnen frühzeitig lernen, loszulassen. Das, was gerade sein will, sein zu lassen. Und darin womöglich sogar Schönheit zu entdecken.
„Pflege darf kein Kampf sein.“ (Henk Gerritsen)
Mit Tunnelblick und Verbissenheit ein bestimmtes Bild erzeugen zu wollen, kann zum gewünschten Erfolg führen. Oft aber scheitern wir an unseren Ansprüchen. Zuviele Kräfte mischen hier mit. Die Scheuklappen abzulegen und sich umzuschauen wirkt heilsam.
Alte Dogmen aufzugeben, kann befreien. Eine meiner Kundinnen formulierte nach einer Beratung den für sie zentralen Erkenntnisgewinn so: „Wir müssen vergessen, was wir von unsern Schwiegermüttern gelernt haben.“ Überlebte Autoritäten dürfen in Frieden entlassen und das eigene Handeln mit neuen Impulsen genährt werden. So gelingt es, die reale Situation immer neu zu erfassen und sich verändernden Bedingungen fließend anzupassen. Voraussetzung für diese Anpassungsfähigkeit ist das Vertrauen ins Leben.
Wahre GärtnerInnen begreifen sich bald als Teil eines größeren Ganzen, genannt: „Der Garten“, „Die Natur“ oder schlicht „Das Leben“. Hautnah erfahren sie die Jahreszeiten, den Einfluss von Regen und Trockenheit, Wind und Frost. Sie stellen fest, dass Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen eigene Ziele verfolgen. Sie erleben, dass Machbarkeit Grenzen hat und lernen, zu akzeptieren, dass man manchmal einfach nichts tun kann. Ein Garten wandelt sich von Jahr zu Jahr, unterschiedliche Pflanzen dominieren das Bild oder verschwinden wieder.
Im Garten müssen wir oft Verluste verschmerzen, verstärkt durch die klimatischen Veränderungen sogar immer tiefgreifendere. Dies hinzunehmen und sich neu auszurichten ist überlebensnotwendig. Neue Strategien erwachsen aus der Beobachtung dessen, was geschieht. So lernen wir einzuschätzen, was sein will, d.h. was jetzt und in naher Zukunft funktionieren kann. Dazu müssen wir die Kontrolle zum Teil aufgeben und den Dingen ihren Lauf lassen.
Aus der Erstarrung des schieren Wollens gelöst, beginnt eine Art Tanz der Kräfte, ein Schwingen zwischen Schauen und Handeln. Es lohnt sich, den Einfluss des eigenen Eingreifens immer wieder zu hinterfragen, denn dadurch dehnt sich Wahrnehmung aus.